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Ulrike
Hallo, ich bin ganz neu hier. Habe gestern die Sendung bei
" Fliege " gesehen und fand mich in all den Schilderungen Hallo,

ich bin ganz neu hier. Habe gestern die Sendung bei " Fliege " gesehen und fand mich in all den Schilderungen über Angst- und Panikattacken wieder. Mein Name ist Ulrike, ich bin 45 Jahre alt, habe zwei Kinder und bin seit 1995 verwitwet.

Meine Panikattacken begannen vor ca. 14 Jahren. Bis zu dem Zeitpunkt war ich ein positiv in die Zukunft blickender Mensch, habe alles im Leben in vollen Zügen genossen und das Wort Angst kannte ich überhaupt nicht. Ich lebte in einer WG, hatte einen interessanten Beruf und war total frei und unabhängig. Mit 31 lernte ich meinen Mann kennen, heiratete und war auch sofort schwanger. Mein Leben hatte sich um 180 Grad geändert. Plötzlich verheiratet, einen Menschen an meiner Seite, Haushalt, Verantwortung und dann auch noch die schnelle Schwangerschaft. Ich wollte in allem perfekt sein, jedem gerecht werden und stieß schon bald an meine Grenzen. Kurz vor der Entbindung hatte ich dann meine ersten Schwindelanfälle, die sich alsbald als dauernder Schwindel manifestierten. Ich wusste mit diesem Zustand überhaupt nichts anzufangen.

Zuerst schob ich es auf die Schwangerschaft und die körperliche Umstellung, aber auch nach der Geburt des Kindes änderte sich nichts. Wäre mein Mann nicht mit unserem Sohn nach der Arbeit spazieren gefahren, dann wäre er überhaupt nicht an die frische Luft gekommen. Mir ging es derartig schlecht, dass ich noch nicht einmal fähig war, zum Briefkasten vor der Tür zu gehen. Ich konnte weder fernsehen noch Zeitung lesen, weil die Buchstaben nur so vor meinen Augen tanzten. Es war die Hölle. Langsam kam bei mir dann der Verdacht auf, dass ich wohl einen Gehirntumor haben müsse, denn nur so konnte ich mir meine körperliche Situation erklären. Es folgten zahlreiche Untersuchungen, aber man fand körperlich nichts. In meiner Verzweiflung bin ich dann zu einem Nervenarzt gegangen, der bei mir eine absolute Überforderung diagnostizierte.

Dann folgte der lange Weg, endlich den richtigen Therapeuten zu finden. Es war ein wirklich langer Weg, denn ich fühlte mich von vielen nicht verstanden, oder hatte das Gefühl nur mit Medikamenten abgespeist zu werden. Damals wollte ich auf keinen Fall etwas einnehmen, weil ich Angst vor einer Abhängigkeit hatte. Ich wehrte mich mit Händen und Füßen dagegen. Lieber wollte ich eine Gesprächstherapie ( Verhaltenstherapie ) machen. Über eine Freundin ( litt selber an einem Waschzwang ) bin ich dann Gott sei Dank an eine gute Therapeutin geraten. Mit einer kleinen Unterbrechung habe ich ca. 3 Jahre Gesprächs- und Verhaltenstherapie gemacht. Vor allem die Verhaltenstherapie hat mich voran gebracht .

Nach und nach habe ich gelernt mit dieser Angst umzugehen und auch keine Angst mehr vor der Angst zu haben, sondern sie als Bestandteil in meinem Leben zu sehen- mit ihr "Freundschaft " zu schließen (so komisch sich das anhört ).Ich habe bei Panikattacken (meist bekam ich die in Kaufhäusern oder im Auto) mit meinem Körper "gesprochen". Ich habe ihm gesagt : o.k. , ich verstehe dich Herz, dass du jetzt rast. Es ist wirklich sehr ungemütlich in dieser Menschenmasse, aber gleich sind wir ja an der Kasse vorbei und wieder draußen... Immer und immer habe ich solche Situationen geübt und habe mich der Angst gestellt. Auf keinen Fall wollte ich, dass sie mein Leben weiter beschneidet. Außerdem waren da ja auch noch mein Mann und mein Kind. Natürlich gab es immer und immer wieder auch Rückfälle, aber ich wollte weitermachen. Manchmal kam es vor, dass ich auf dem Weg zur Therapeutin das Gefühl hatte, dass vor Angst meine Beine gelähmt waren und ich nicht gehen konnte, aber ich wollte, wollte, wollte......

Dann kam das Jahr 1995. Mein Mann starb an einer chronischen Erkrankung. Alles kam ganz plötzlich. Unser zweites Kind war unterwegs und ich fiel in ein absolut tiefes Loch !! Meine Ängste kamen massiv zurück. ich machte erneut Therapie und zusätzlich nahm ich jetzt auch ein Antidepressivum ein ( Doxepin ). Mein Arzt klärte mich darüber auf, dass es nicht abhängig macht und ich es eine gewisse Zeit erst einmal nehmen müsse, um überhaupt zugänglich für eine erneute Therapie zu sein. Nach weiteren 4 Jahren Therapie hatte ich es geschafft, wieder relativ angstfrei zu leben. Ich besuchte zusätzlich noch eine Selbsthilfegruppe, die mir sehr geholfen hat.
Dachte ich anfänglich ganz allein mit meinem Problem zu sein, so stieß ich hier auf viele liebe und sensible Menschen. Seither wird es immer und immer besser mit meinen Angstattacken. In Stress- Situationen muss ich nach wie vor aufpassen, aber ich habe mittlerweile Wege und Mittel gefunden damit umzugehen.

Mein Leben habe ich derart verändert, dass ich nach und nach meinen Perfektionismus abgelegt habe. Ich sehe mich selbst und nicht nur die Bedürfnisse der anderen. Ein gewisser Grad an gesundem Egoismus hat in meinem Leben Platz gefunden. Dieses Jahr im Oktober bin ich sogar alleine nach Rom geflogen und habe dort mit einer Freundin Urlaub gemacht ( ohne meine Kinder ). Einen neuen Partner gibt es noch nicht in meinem Leben, aber mein Schicksal hat mich stark werden lassen, auch wenn es ein sehr steiniger Weg war. Geholfen hat mir allerdings auch mein Glaube.

In so manch verzweifelter Situation hat er mir sehr, sehr viel Halt gegeben. Ich weiß, dass ich meine sogenannte " Ängstlichkeit " nicht verlieren werde, aber ich weiß, dass ich gelernt habe mit ihr umzugehen, und das gibt mir Mut für die Zukunft. Vielleicht kann ich Menschen mit meinem Bericht Mut machen- ich hoffe es!! Habe ich mich anfangs schon verloren gesehen, so weiß ich jetzt, dass man es schaffen kann !

von Ulrike
 
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