|
Zugriffe |
Seitenaufrufe : 2472431
|
|
|
Hallo an alle da draußen! Ich bin noch recht jung und komme mittlerweile auf 23 Jahre. Vor 2 Monaten bekam ich aus heiterem Himmel eine Panikattacke in der S-Bahn die ca. 30 min. dauerte.
Es war so wie wir alle es oft erleben, die typischen Symptome die sich permanent durch unsere Gedanken verstärken, die immer größer werdende innere Unruhe und Panik. Das Gefühl, dass dieses Leben gleich zu Ende ist, einfach so, ohne Ausweg, ohne Chance irgendwie gerettet zu werden. Schlimme Gedanken, dadurch eine totale Sensibilisierung des Körperempfindens, rasender Puls, Hyperventilieren, Kribbeln in den Gliedmassen, noch schlimmere Gedanken, noch schnellerer Puls, Schmerzen in der Brust und im Rücken, PANIK, Angst davor jeden Moment sterben zu müssen, Gedanken über Geschichten die man gehört hat,!! PANIK!!FLUCHT!!, und dann... ist alles vorbei, alles klingt ab, ABER DIE ANGST BLEIBT. Man fragt sich, was das wohl war und ist sich sicher: ich bin krank, so was ist nicht normal, ich muss sofort zu einem Arzt und dieser MUSS mir einfach mein schlimmes Leiden bestätigen. Genau so geht es den meisten von uns wenn sie eine Panikattacke erleben. Genau wie ihr war ich bei vielen, vielen Ärzten, habe mich Untersuchungen unterzogen, von denen die meisten Menschen noch nie etwas gehört haben, aber ich habe den Ärzten nie geglaubt, dass ich gesund bin. WARUM AUCH ?? Wie kann ich gesund sein wenn ich diese Attacken immer wieder erlebe? Das ist mein Denken gewesen, jetzt 8 Wochen später, in denen ich täglich bis zu 4 Attacken durchleben durfte ; (Job als Webdesigner weg, starke Belastung des Umfeldes und immer die Frage warum ICH. Ein Arzt sagte, dass so was auch aus dem Kopf kommen könnte, also machte ich mich auf dessen Rat auf zu einem Neurologen (Nervenarzt), dessen Besuch ich mir aber wirklich gut überlegen musste, denn ich bin ja schließlich nicht verrückt. Verrückt war meine Definition von psychischen Problemen, und das habe ich mir einfach nicht eingestehen können. Dieser Neurologe untersuchte mich (kennt ihr sicher alle: Bewegungstests, EEG etc.) und riet mir dazu in die Paniksprechstunde einer psychiatrischen Anstalt in Hamburg zu gehen. Boooahahhhh...der glaubt auch ich bin verrückt, dachte ich mir in dem Moment und fluchte bei meiner Familie über diesen unfähigen Arzt. Aber ich konnte nicht mehr so weiterleben , und ich war mir sicher, irgendein Arzt wird mir schon mein Leiden diagnostizieren, aber für den Moment, so dachte ich mir, ist es vielleicht nicht schlecht mit jemanden zu sprechen der sich zumindest mit der Panik und dessen Bekämpfung auskennt. Also auf zur Paniksprechstunde und dann... war ich baff. Menschen wie du, ihr und ich saßen dort. Männer mit Anzügen, Frauen mit ihren Kindern auf dem Arm. Alles nette Menschen, nur mit einem sehr traurigen Ausdruck in den Gesichtern. Ein Ausdruck der um Hilfe bittet. Ein Ausdruck der Ratlosigkeit...dann riefen sie meinen Namen auf und ich sprach mit einer Verhaltenstherapeutin, die wider meines Erwartens sehr nett war und den Eindruck machte, dass sie dies alles nicht zum ersten Mal hörte. Sie sagte, dass ich damit nicht alleine sei und empfahl mir ein Buch über Angst und Angstkrankheiten, zudem bekam ich eine Liste mit Therapeuten in Hamburg und der Adresse einer Organisation die Selbsthilfegruppen betreut. Sie sagte, dass alles bei mir liegt, und so schlimm es auch sei, ich muss gegen den härtesten Gegner antreten den es auf dieser Welt gibt, gegen mich selbst, gegen meine Gefühle, gegen meine Angst. Und wenn ich es geschafft habe mich von meiner Angst zu lösen, werde ich ein anderes, besseres Leben führen und einen Zustand durchlebt haben, den nicht betroffene Menschen nie oder selten erreichen. Und das gibt Kraft für das Leben...also am gleichen Tag zur Buchhandlung, 2 Bücher gekauft, sofort durchgelesen...und dann bin ich aus dem Staunen nicht mehr rausgekommen. Ich fand mich auf vielen Seiten wieder, das Buch sprach aus meinem Herzen. Es hat mich in Ansätzen gelehrt die Angst zu verstehen, die Angst anzunehmen, hat mir verdeutlicht, dass Angst nichts schlimmes ist, lediglich eine verstärkte Form der normalen Körperfunktionen, hat mir Wege aufgezeigt mich Menschen gegenüber auszudrücken, die ein Panikleiden nicht verstehen können. Nun suche ich einen Therapieplatz. Die Bücher aber haben mir ein neues Bewusstsein gegeben mit meinem Leben umzugehen und der Therapeut wird mir helfen, das alles wieder ins Lot zu bringen und die Ursachen für das Ganze zu finden. Also informiert euch und lernt die Angst anzunehmen, sie zu verstehen, sie bewusst zu durchleben, nicht zu flüchten, euren Körper zu verstehen, und lernt damit umzugehen. Wir schaffen das alle. Wir brauchen nur alle in diesem Moment mehr Kraft und Geduld als andere Menschen, aber wir werden daran wachsen.
Mfg aus dem (heute) sonnigen Hamburg.
Michael
|
|
|
|