Viele Menschen mit Agoraphobie schränken ihre Aktivitäten,
Freizeitinteressen und Sozialkontakte zunehmend ein, weil dies zumeist
erfordert, das Haus zu verlassen
Viele Menschen mit Agoraphobie schränken ihre Aktivitäten,
Freizeitinteressen und Sozialkontakte zunehmend ein, weil dies zumeist
erfordert, das Haus zu verlassen und sich angstmachenden Situationen zu
stellen. Sie ziehen sich immer mehr vom bisherigen Bekanntenkreis
zurück und werden sozial isoliert. Alle Tätigkeiten, die früher Spaß
gemacht haben, werden aus Angst vor Panikattacken vermieden.
Aus diesem Meidungsverhalten entwickelt sich häufig eine sekundäre
Depression, in deren Rahmen noch weniger Aktivitäten erfolgen. Zur
Verhinderung einer derartigen Entwicklung sollten Sie Ihre früheren
Freizeitaktivitäten außer Haus wieder aufnehmen bzw. entsprechende
Interessen ausbauen. Besuchen Sie wieder Freunde und Verwandte, rufen
Sie alte Bekannte an und vereinbaren Sie ein Treffen, nehmen Sie teil
an gesellschaftlichen Ereignissen, unternehmen Sie nach der Arbeit
wieder etwas mit Ihren Arbeitskollegen, gehen Sie in Clubs und
Sportvereine, die Ihnen früher wichtig waren.
Wenn Sie derzeit nicht berufstätig sind (was für viele Frauen
zutrifft), überlegen Sie eine außerhäusliche Tätigkeit (z.B. eine
Halbtagsarbeit, die Teilnahme an Frauen- und Mütterrunden sowie an
Kursen zur Verbesserung Ihrer sportlichen, künstlerischen, geistigen
oder beruflichen Fähigkeiten). Was haben Sie früher gerne getan, was
würde Ihnen auch jetzt noch Spaß machen, wenn Sie nur Ihre Ängste
überwinden könnten? Kämpfen Sie nicht so sehr gegen Ihre Ängste,
sondern vielmehr für ein befriedigenderes Leben, indem Sie einfach tun,
was Ihnen gefällt.
Angenommen, es geschieht ein Wunder, und Sie wachen morgen in der Früh
auf und haben keine lebenseinengenden Ängste, keine Agoraphobie oder
Panikattacken mehr, was würden Sie da tun? Erstellen Sie eine Liste
aller gewünschten Tätigkeiten. Was davon könnten Sie schon jetzt tun,
was erst nach Überwindung Ihrer Ängste?
Viele Angstpatienten sind an "guten Tagen" durchaus erfolgreich in
ihren Bemühungen und werden inaktiv an "schlechten Tagen". Nehmen Sie
eine Tagesplanung unabhängig von Ihren Stimmungen und Ängsten vor.
Erstellen Sie einen Tages- und Wochenplan, was Sie tun müssen und was
Sie gerne tun wollen, und führen Sie diese Tätigkeiten zum gegebenen
Zeitpunkt unabhängig von Ihrer Stimmung aus. Diese Vorgangsweise wird
auch depressiven Patienten empfohlen (Motto: "Aktivität verbessert die
Stimmung").
Bei Angstpatienten tritt die größte Angst immer erst dann auf, wenn sie
etwas tun sollen oder wollen. Rechnen Sie damit, dass dies auch bei
Ihnen so sein wird. Ihre relative Angstfreiheit ist erkauft um den
Preis, dass Sie sich zu einer Meidung angstmachender Situationen
entschlossen haben. Die Einstellung, verschiedene Aktivitäten erst dann
zu unternehmen, wenn die Angst weg ist, ist ebenso handlungsblockierend
wie der Vorsatz depressiver Patienten, wieder aktiv zu werden, wenn die
Stimmung besser ist.
Bei bestimmten Menschen ufern die Angst- und Panikzustände aufgrund
eines unzureichend strukturierten Tagesablaufs stärker aus als bei
anderen Personen. Hausfrauen, Studenten und Selbständige können
Angstsituationen leichter vermeiden, weil sie nicht so sehr den Zwängen
der Fremdbestimmung ausgesetzt sind, sondern sich den Tag je nach
Stimmung einteilen können.
Zu lange Krankenstände bei Angststörungen führen oft ebenfalls dazu,
dass die Ängste nicht weniger werden, sondern nur vermieden werden, um
dann um so heftiger aufzutreten, wenn die Gesundschreibung erfolgt.
Autor:
Dr.Hans Morschitzky
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