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Angst- und Panikstörungen |
Die folgenden Fragen und Anregungen sollen Ihnen, wenn Sie Angehöriger
sind, Hilfestellungen bieten, wie Sie mit Ihrem ängstlichen Partner
(bzw. Elternteil oder Kind)
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Wir
brauchen nicht so fortzuleben, wie wir gestern gelebt haben. Machen wir
uns von dieser Anschauung los, und tausend Möglichkeiten laden uns zu
neuem Leben ein.
(Christian Morgenstern)
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Ratschläge für Angehörige von Angstpatienten
Die folgenden Fragen und Anregungen sollen Ihnen, wenn Sie Angehöriger
sind, Hilfestellungen bieten, wie Sie mit Ihrem ängstlichen Partner
(bzw. Elternteil oder Kind) besser umgehen können. Die einzelnen Punkte
beziehen sich auf eine angstkranke Frau. Dieselben Hinweise gelten auch
für einen angstkranken Mann.
Analysieren Sie, ob Sie vielleicht die Angstsymptomatik Ihrer Partnerin verstärken
- Überlegen
Sie, ob Sie bislang in irgendeiner Form bewusst und/oder unbewusst die
Angstsymptomatik Ihrer Partnerin unterstützt haben.
- Haben
Sie sich den angstbedingten Wünschen Ihrer Partnerin gefügt, um Streit
zu vermeiden (z.B. keine Ausflüge allein machen, weil die Partnerin aus
Angst nicht allein zu Hause bleiben möchte)?
- Haben
Sie gelernt, die Ängste Ihrer Partnerin als unveränderlich hinzunehmen
und damit eine neue Lebensaufgabe zu entwickeln, für sie da zu sein?
- Haben Sie irgendein Interesse daran, dass Ihre Partnerin nicht zu selbständig wird, wenn sie alle ihre Ängste verliert?
- Haben Sie selbst Ängste, die den Ängsten Ihrer Partnerin ähnlich sind?
- Haben
Sie früher Ängste gehabt, die Sie vielleicht dadurch verloren haben,
dass Sie durch die Beziehung zu einer ebenfalls eher ängstlichen
Partnerin an Stärke gewinnen konnten?
- Haben
Sie Probleme, Dinge ohne Ihre Partnerin zu tun? Machen Sie Ausflüge und
bestimmte Aktivitäten auch allein, wenn Ihre Partnerin wegen ihrer
Ängste nicht daran teilnehmen möchte? Können Sie sich zu Hause ohne
Partner wohlfühlen?
- Wären
Sie bereit, auf Wunsch Ihrer Partnerin oder eines Psychotherapeuten an
einer Therapie teilzunehmen, oder legen Sie großen Wert darauf, dass
Ihre Partnerin eine rein individuelle Störung hat, die nichts mit Ihrer
Beziehung zu tun hat?
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Fragen Sie sich, was sich ändern würde, wenn
Ihre Partnerin keine Ängste mehr hätte
- Welche Folgen hätte es für Sie, wenn Ihre Partnerin keine
Ängste mehr hätte?
- Welche Auswirkungen hätte eine Angstfreiheit Ihrer Partnerin
für die Beziehung?
- Was würde sich vielleicht hinsichtlich der ganzen
Lebensgestaltung ändern (z.B. andere Arbeit, mehr soziale
Aktivitäten)?
- Angenommen, Ihre jetzt nicht berufstätige Partnerin möchte
nach der Überwindung der Angststörung (wieder) berufstätig
werden, wie stehen Sie dazu?
- Stellen Sie sich vor, Ihre Partnerin wäre bereits in drei
Wochen frei von allen lebenseinengenden Ängsten, was würde dies
für Ihre Beziehung bedeuten? Was wäre endlich möglich? Welche
Konflikte und Gefahren könnten drohen?
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Unterstützen Sie das Angstbewältigungstraining Ihrer Partnerin
- Sagen
Sie Ihrer Partnerin von Anfang an klar und bestimmt, dass Sie unbedingt
eine Beseitigung ihrer Ängste wünschen, zumindest soweit Sie selbst
dadurch betroffen sind. Lassen Sie sie jedoch die Art der
Angstbewältigung selbst auswählen: eigenständig mit Hilfe von
Selbstbehandlungsliteratur - gemeinsam mit Ihnen - Psychotherapie
allein oder mit Ihnen.
- Anerkennen und loben Sie jedes eigenständige Bemühen Ihrer Partnerin, mit angstmachenden Situationen umzugehen.
- Übergehen
Sie geduldig die klagenden und deprimierten Äußerungen Ihrer Partnerin,
statt sie durch übermäßige Beachtung und Zuwendung zu verstärken.
- Unterstützen
Sie ein Angstbewältigungstraining durch möglichst attraktive Ziele, wo
Ihre Partnerin auf jeden Fall gerne hingehen würde, wenn sie sich nur
irgendwie dazu überwinden könnte.
- Planen
Sie in einem bestimmten zeitlichen Abstand Urlaubsreisen, die Ihre
Gattin auch gerne mitmachen würde, derzeit aus Angst vor dem Fliegen,
der weiten Entfernung u.a. jedoch nicht zu unternehmen wagt.
- Übernehmen
Sie keine Aufgabe, die Ihre Partnerin bereits selbst erledigen kann
bzw. könnte. Ihre Zurückhaltung bewirkt, dass Ihre Partnerin rasch
selbständig und selbstbewusst wird.
- Überlegen
Sie, ob Sie Ihrer Partnerin durch Ihre Unterstützung wirklich helfen,
angstfreier und eigenständiger zu werden oder ob Sie damit nicht eher
ihre Bequemlichkeit unterstützen. Ist es wirklich Angst, wenn Ihre
Partnerin nicht mit dem öffentlichen Verkehrsmittel in die Arbeit
fahren kann oder ist es einfach nur bequemer, von Ihnen mit dem eigenen
Auto dorthin gebracht zu werden? Nicht alles, was man nicht allein tun
möchte, hängt mit Angst zusammen. Im Rahmen der Angstzustände hat Ihre
Partnerin oft nur gelernt, dass es einfach und angenehm ist, sich auf
die Hilfe anderer verlassen zu können.
- Fragen
Sie Ihre Partnerin, wo sie zur besseren Angstbewältigung Ihre Hilfe
wünscht (z.B. Begleitung in anfangs allein nicht bewältigbar
erscheinenden Situationen) und überlegen Sie gemeinsam, wo dies eher
schädlich wäre (z.B. Begleitung in Situationen, wo Ihre Partnerin zwar
ein ungutes Gefühl hat, jedoch bereits auf Bewältigungserfolge
zurückblicken kann).
- Selbst
wenn Sie gemeinsame Übungen planen, überlegen Sie, wie Ihre Partnerin
dabei zumindest zeitweise allein üben kann (z.B. allein in das
gefürchtete Geschäft hineingehen; gemeinsame Fahrt mit einem
öffentlichen Verkehrsmittel, jedoch ohne Nebeneinandersitzen; im Kino
ebenfalls getrennt voneinander sitzen; eine Viertelstunde vor Ihnen
allein in ein Lokal gehen).
- Sagen
Sie Ihrer agoraphobischen Partnerin nicht, was sie tun soll, sondern
unterstützen und ermutigen Sie sie bei der Erreichung der selbst
gesteckten Ziele. Kontrollieren und diktieren Sie Ihre Partnerin nicht,
sondern bieten Sie Hilfe zur Selbsthilfe im gewünschten Ausmaß an.
- Schlagen
Sie spontan gemeinsame Aktivitäten ohne lange vorherige Planungen vor,
weil dadurch rasch Erfolgserlebnisse vermittelt werden können. Lange
Planungen verstärken nur die Erwartungsängste und die
Vermeidungstendenz Ihrer Partnerin, weil sie viel Zeit zum Nachdenken
hat.
- Achten
Sie darauf, dass Ihre Partnerin angstmachende Situationen möglichst oft
auch ohne Ihre Begleitung aufsucht und bei Angst vor dem Alleinsein zu
Hause in zunehmendem Ausmaß allein in der Wohnung verbleibt.
Vereinbaren Sie, wann und wie oft Ihre Partnerin mit Ihnen
telefonischen Kontakt aufnehmen darf, um der Gefahr vorzubeugen,
ständig angerufen zu werden, weil Ihre Partnerin das zeitweise
Alleinsein nicht ertragen kann.
- Wenn
Ihre Partnerin bei Aktivitäten in Ihrer Anwesenheit eine Panikattacke
bekommt, ermutigen Sie sie, die angstbesetzte Situation nicht zu
verlassen, bevor die Angst abgeklungen ist. Bringen Sie Ihre Partnerin
weder nach Hause noch zu einem Arzt oder in ein Krankenhaus, sondern
ermutigen Sie sie durchzuhalten, bis der Anfall vorbei ist, ohne dass
eine Flucht aus der jeweiligen Situation erfolgt. Ermutigen Sie sie,
höchstens ein wenig Luftschnappen zu gehen und dann wieder gestärkt in
die angstmachende Situation zurückzukommen, um das Erfolgserlebnis des
Durchhaltens genießen zu lernen. Fragen Sie Ihre Partnerin in dieser
Zeit nicht ständig nach ihrem Befinden, weil Sie sie dadurch auf ihre
Symptomatik fixieren, sondern lassen Sie sie etwas in Ruhe oder suchen
Sie nach Ablenkungsmöglichkeiten (z.B. ein anderes Gesprächsthema).
- Ermutigen
Sie Ihre Partnerin, zu ihren Ängsten zu stehen und diese öffentlich
bekannt geben zu lernen, wenn dadurch der innere Druck und das
Versteckenspielen vor der Umwelt reduziert werden können. Die Angst vor
sozialer Kritik bei Bekannt werden der Ängste kann am besten durch Ihre
emotionale Unterstützung überwunden werden.
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Was Sie bei anderen Ängsten Ihrer Partnerin tun können
- Wenn Ihre Partnerin an einer
reinen Panikstörung (ohne Agoraphobie)
leidet, lassen Sie Ihre Partnerin zeitweise auch allein. Die
irrationale Angst, ohne Ihre Anwesenheit und Hilfe im Falle einer
Panikattacke vielleicht sterben zu müssen, führt ansonsten zu einer
immer größeren Abhängigkeit von Ihnen. Achten Sie darauf, dass Sie aus
diesem Grund auch nicht jede Minute des Tages über das Telefon oder das
Handy erreichbar sind. Vereinbaren Sie Zeiten, in denen Sie Ihre Gattin
keinesfalls anrufen soll, damit sie lernt, auf sich selbst gestellt
zurechtzukommen. Lassen Sie sich nicht ständig durch Anrufe bei der
Arbeit stören.
- Wenn Ihre Partnerin unter einer
Sozialphobie
leidet, reduzieren Sie deswegen weder Einladungen von Bekannten und
Verwandten in Ihrer Wohnung noch schränken Sie Ihre außerhäuslichen
sozialen Aktivitäten ein. Laden Sie Ihre Partnerin immer wieder zu
sozialen Aktivitäten ein, zwingen Sie sie jedoch nicht dazu, sondern
nehmen Sie alleine an den geplanten Treffen mit anderen Leuten teil.
- Wenn Ihre Partnerin unter einer
generalisierten Angststörung
mit vielen verschiedenen Ängsten leidet, sagen Sie ihr klar und
bestimmt Ihre Meinung dazu, geben Sie jedoch nicht immer wieder
dieselben Antworten auf die gleichen Fragen. Dies wird Sie mit der Zeit
immer mehr ärgern und Ihre Partnerin von Ihrer Beruhigung abhängig
machen. Sagen Sie Ihrer Partnerin z.B. "Du weißt, wenn ich Dich jetzt
wieder beruhige, wird es nur so lange halten wie zuletzt. Meine Meinung
kennst Du ja. Wenn Du Dich sorgst, tue etwas dagegen, reden allein
hilft Dir nicht."
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Autor:
Dr.Hans Morschitzky
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