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Depersonalisation / Derealisation |
Bei den Gefühlen der Unwirklichkeit besteht entweder ein Angst
machendes Fremdheitserleben gegenüber sich selbst (Depersonalisation)
oder
Bei den Gefühlen der Unwirklichkeit besteht entweder ein Angst
machendes Fremdheitserleben gegenüber sich selbst (Depersonalisation)
oder gegenüber der Umwelt (Derealisation). Die Betroffenen erleben eine
massive Verunsicherung und einen starken Vertrauensverlust in die
Umwelt bzw. in die Selbstwahrnehmung. Beide Zustände treten selten
allein auf, sondern meistens in Verbindung mit anderen psychischen
Störungen (posttraumatische Belastungsstörung, Phobien, Panikstörung,
Depression, Zwangsstörung). Ähnliche Zustände finden sich bei Gesunden
auch im Zustand der Müdigkeit, sinnlichen Wahrnehmungsbehinderung,
Meditation oder Veränderung durch halluzinogene Drogen oder Trance
(hypnotischer Zustand). Die Zustände sind auch den todesnahen
Erfahrungen in Momenten extremer Lebensgefahr ähnlich.
Depersonalisation ist eine häufige Erfahrung, auch wenn es jedem
einzelnen Betroffenen so vorkommen mag, als könnte man dieses Erleben
keinem Menschen durch Beschreibung verständlich machen. Die Hälfte der
Erwachsenen erlebt laut amerikanischem psychiatrischen Diagnoseschema
DSM-IV im Laufe des Lebens eine kurzfristige Depersonalisation, zumeist
nach einer schweren Belastung. Eine vorübergehende Depersonalisation
zeigt sich bei etwa einem Drittel der Personen, die einer
lebensbedrohenden Gefahr ausgesetzt waren, sowie bei fast 40% der
Patienten, die wegen einer psychischen Störung stationär behandelt
werden.
Bei einer Depersonalisation machen die Betroffenen die angstvolle
Erfahrung einer Veränderung ihrer geistigen Aktivität, ihrer Gefühle
oder ihres Körpers. Es besteht das Gefühl des Losgelöst seins, der
Entfremdung zum eigenen Selbst und des "Daneben-Stehens". Es herrscht
der Eindruck vor, nicht ganz da zu sein und nicht mehr das eigene
Denken, die eigenen Vorstellungen oder Erinnerungen zu erleben. Die
betroffene Person empfindet sich so, als wäre sie ein außenstehender
Beobachter der eigenen geistigen Prozesse, des eigenen Körpers oder
einzelner Körperteile. Sensorische Unempfindlichkeit, Mangel an
emotionalen Reaktionen und das Gefühl, das eigene Handeln
einschließlich der Sprache nicht völlig beherrschen zu können, werden
oft beklagt.
Bewegungen und Verhaltensweisen werden irgendwie nicht mehr als die
eigenen erlebt. Man kann sich wie ein Roboter fühlen. Der Körper
erscheint leblos, losgelöst oder sonst anormal. Das Leben wirkt
künstlich, wie in einem Traum, in einem Film oder auf einer Bühne, wo
man eine Rolle spielt. Am meisten beklagt wird der Verlust der Gefühle.
Der charakteristische Gefühlsverlust wird oft verwechselt mit einer
Depression, wenngleich diese ebenfalls gegeben sein kann. Bei einer
Depersonalisation werden die Gefühle abgespalten aus Schutz vor einer
leidvollen Gefühlsüberflutung.
Bei der Depersonalisationsstörung bleibt die Realitätsprüfung intakt,
weshalb die häufige Befürchtung, an Schizophrenie zu erkranken, völlig
unbegründet ist. Der Grund, warum ich die Information über die
Depersonalisationsstörung in das Internet gestellt habe, liegt darin,
dass ich in den letzten Jahren zahlreiche Angst- und Panikpatienten
erlebt habe, die fest davon überzeugt waren, wegen dieser Zustände bald
"verrückt" zu werden. Dahinter stehen einerseits starke Stresszustände
(massive psychosoziale Belastungsfaktoren), die im Rahmen des
Lebenskontexts völlig verständlich sind, andererseits
Erklärungsversuche, dass mit dem Geist etwas nicht stimmen könne, wenn
man schon körperlich "nichts" habe. Die Angst deswegen bald in die
Psychiatrie eingeliefert zu werden ist völlig unberechtigt.
Depersonalisation und Derealisation sind oft Symptome einer
Panikattacke und stellen den Hauptgrund dar, warum Menschen mit
Panikstörung häufig die Angst haben, "durchzudrehen und verrückt zu
werden", wenn die Depersonalisationserfahrung im Rahmen einer
Panikattacke auftritt. Eine Depersonalisationsstörung als eigenständige
Störung liegt nur dann vor, wenn die beschriebenen Zustände nicht
ausschließlich im Rahmen einer Angststörung, einer Depression oder
einer anderen Störung auftreten.
Bei einer Derealisation besteht das Gefühl des gestörten
Umwelterlebens. Objekte, Menschen oder die gesamte Umgebung werden als
fremd, unvertraut, unwirklich, roboterhaft, fern, künstlich, zu klein
oder zu groß, farblos oder leblos erlebt.Das DSM-IV ordnet (im
Gegensatz zum internationalen Diagnoseschema ICD-10) die
Depersonalisationsstörung den dissoziativen Störungen zu, was insofern
berechtigt erscheint, als es sich dabei um Abspaltungsvorgänge
(Dissoziation) handelt. Negative, belastende und unerträgliche Gefühle
werden durch Abspaltung zu bewältigen versucht, die wahrgenommene
Gefühllosigkeit wird in der Folge als Entfremdung gegenüber sich selbst
erlebt.
Autor:
Dr.Hans Morschitzky
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